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Fundstücke

Fundstück Nr. 13: "Ich möchte, dass Ihr mein Leben kennen lernt"

Auf der Webseite der Bundeszentrale für politische Aufklärung (bpb) wird das Projekt „Life in the border“ des kurdisch-iranischen Regisseurs Bahman Ghobad vorgestellt: Sieben Jugendliche zwischen 12 und 14 Jahren zeigen jeweils in einem Kurzfilm ihr Leben in einem Flüchtlingscamp im Norden Syriens und des Irak. Sie haben selbst die Drehbücher verfasst und standen vor und hinter der Kamera. Da sehen wir zum Beispiel Birhat, der sich um seine Großmutter und seine kleine Schwester kümmert. Ihre Eltern sind vom IS verschleppt worden. Birhat weiß nicht, warum seine Schwester seit der Gefangenschaft nicht mehr spricht, aber er versucht, sie aufzuheitern. Oder da ist Besameh: Sie hat ihre linke Hand bei der Explosion einer Landmine verloren. Jetzt will sie Filmemacherin werden und über die Verfolgung von jesidischen Mädchen und Frauen durch den IS berichten.

Die ergreifenden, kurzen Szenen konfrontieren damit, wie es ist, aus seiner Heimat vertrieben worden zu sein, vielleicht getrennt von den Eltern in einem Flüchtlingslager zu wohnen und viel Schlimmes erlebt zu haben. Und dennoch: Auch hier geht das Leben für die jungen Menschen weiter mit ihren Träumen und Hoffnungen.

Neben der Filmbesprechung, einem Interview mit dem Regisseur Bahman Ghobad und der Übersicht der Mitwirkenden finden Sie auch unter folgendem Link Arbeitsblätter für Lehrende, zum Beispiel über Krankheit, Verlust und Tod oder über die religiöse Minderheit der Jesiden.

http://www.bpb.de/gesellschaft/bildung/filmbildung/258675/life-on-the-border?pk_campaign=nl2018-04-18&pk_kwd=25867519px VisualEditor Icon External link formatiert

Fundstück Nr. 12: „Deutsche“ Gesichtsausdrücke

Methodische Anleitungen zur Selbstreflexion spielen in unseren Trainings und Fortbildungen eine wichtige Rolle. Ein überaus amüsanter Einstieg für unsere Teilnehmenden in das Thema der nonverbalen Kommunikation sind spezielle „deutsche“ Gesichtsausdrücke. Eine kleine Auswahl mit Erklärungen finden Sie auf der Homepage der Deutschen Welle:

http://www.dw.com/en/7-videos-of-german-facial-expressions-that-need-explaining/a-1916504119px VisualEditor Icon External link formatiert

Viel Vergnügen!

Fundstück Nr. 10: Work-Life-Balance in Tiflis

Beobachtungen vor Ort von Magdalena Stülb


Viele Unternehmen in Deutschland lassen sich heute einiges zur Erhaltung der Gesundheit ihrer Mitarbeitenden einfallen. An gut ausgebildeten Arbeitskräften mangelt es und so sind Investitionen in "Human Resources“ und den Erhalt der Arbeitskraft wichtige strategische Maßnahmen in Betrieben. In diesen Kontexten wird häufig auf die ausgewogene Work-Life-Balance hingewiesen und diese in Leitbildern verankert.

Doch in welchem Zusammenhang stehen Gesundheit und Work-Life-Balance? Diese Fragen sind Gegenstand unterschiedlichster wissenschaftlicher Disziplinen. Einig sind sich alle darin, dass es kein universelles Konzept von Gesundheit gibt, sondern dass Gesundheitsvorstellungen immer stark an Lebensbedingungen und an gesellschaftliche und individuelle Werte gekoppelt sind. Ein Aufenthalt in Tiflis hat dies wieder sehr deutlich vor Augen geführt.

Als Hauptstadt Georgiens hat die Stadt sehr radikale und auch rasante Veränderungen in den vergangenen 25 Jahren erlebt. Der Weg von einer Sowjetrepublik zu einem unabhängigen Staat mit funktionierenden Strukturen war und ist ein mühsamer, der nach etlichen wirtschaftlichen Einbrüchen nun langsam Erfolge zeigt. Um über die Runden zu kommen, sind die meisten Menschen hier in mehreren Jobs gleichzeitig tätig. Sie müssen überaus flexibel sein und versuchen, alle Chancen, die sich irgendwo auftun, zu nutzen. Sie müssen spontan, agil und wach sein und immer noch eine Notlösung zur Hand haben, wenn wieder einmal ein Job wegfällt, eine Firma pleitegeht oder Arbeitsplätze reduziert werden. Work-Life-Balance ist in Tiflis nicht das geregelte Verhältnis von Arbeit und Freizeit, vielmehr das Repertoire an Strategien, die ein Überleben ermöglichen. Dazu benötigt man viele Netzwerke wie Familie, Freunde, Kolleginnen und Kollegen. Das eigene Wohlbefinden ist nur in einer stetigen Reziprozität, einem stetigen Geben und Nehmen denkbar - materiell, emotional und sozial. Nur dann kann man gesund bleiben.